Mittwoch, 14. September 2011

ANIME! High Art-Pop Culture

Heute war ich in der oben genannten Ausstellung, die zwischen dem 29.07.2011 und dem 08.01.2012 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu besichtigen ist. Nun möchte ich gerne meinen Eindruck mit euch teilen.

Zu allererst möchte ich anmerken, dass ich seit 2003 ein ziemlicher Anime- und Mangafan bin. Kein Otaku, aber doch interessiert und passioniert genug, als dass mich diese Ausstellung reizte. Und meine Erwartungen wurden keineswegs enttäuscht.

Die Ausstellung befindet sich in den großen und weiträumigen Hallen der BKH und ist ein multimediales Erlebnis. Neben Cels, Aktionfiguren und Plakaten werden an einigen Stellen, passend zum dort behandelten Thema, Filmausschnitte und Trailer mit dem Beamer an die Wand geworfen und an einer Wii kann man ein Rollenspiel spielen. Zu Beginn der Ausstellung gibt es einen Chilloutbereich, an dessen Wände große Screenshots diverser Filme zu sehen sind (Prinzessin Mononoke, Vampire Hunter D, Sailer Moon, Pokémon etc) und in dessen Mitte dann Tische stehen, auf denen Manga, Flyer, Blöcke und Stifte zum Zeichnen liegen. Allgemein gibt es überall in der Ausstellung Möglichkeiten sich zu setzen, gemütlich zu verweilen und sich die Filmbeiträge anzugucken.

Zur Ausstellung selbst: Sie ist in chronologischer Reihenfolge gehalten und beginnt bei den Anfängen des Anime Anfang des 20. Jhd und die Prägung durch die amerikanische Cartoonlandschaft. Es wird weiterhin von der Zeit in den 60ern erzählt, zu der westliche Fernsehsender ihre Trickfilmproduktionen in japanische Hände gaben, um Kosten zu sparen ("Heidi", "Wickie" etc.).

Ein eigenes Kapitel bilden das Studio Ghibli und Hayao Miyazaki, die mit Cels der Filme "Mein Nachbar Totoro", "Porco Rosso", "Pom Poco", "Kikis kleiner Lieferservice", "Prinzessin Mononoke", "Das wandelnde Schloss" und "Laputa - Schloss im Himmel", sowie Filmausschnitten von "Chihiros Reise ins Zauberland" vorgestellt werden.
Es folgen die Shojo Anime und Untergattungen, die erotischere Sparte (die nebenbei supercool gemacht ist - bordeauxfarbener Flokati überall ;)), die Hentai nur schriftlich erwähnt, darauf aber nicht mit Bildern eingeht (allgemein ist nichts so Schlimmes zu sehen) und die Seinen Anime verschiedenen Anime der Fantasy und Sci-Fi. Dabei wird mit dem besonderen Augenmerk vorgegangen typisch japanische Stilmittel, Genre, wiederkehrende Stereotypen und kulturelle Zusammenhänge zu verdeutlichen, um die Unterschiede zum westlichen Zeichentrick herauszustellen (Mechas, postapokalyptische Szenarien, magische Kräfte etc.). Die Ausstellung schließt mit der Erwähnung der perfektionistischen CGI-Umsetzung in abendfüllenden Filmen.

Obwohl die Ausstellung besonders von den visuellen Medien lebt und keine üppigen Texte vorhanden sind, an dieser Stelle "Hut ab" vor den Verfassern der Informationstafeln. Zu jedem Abschnitt der Ausstellung gab es eine Handvoll Tafeln, die in längeren Texten allgemeines zum Genre erklären. Diese Texte empfand ich als so gut und treffend geschrieben, dass man auch als "Unwissender" garantiert hätte verstehen können, worum es sich handelt. Allgemein denke ich allerdings, dass Leute ohne ein bisschen Vorkenntnis oder zumindest genug Offenheit gegenüber diesem Thema wahrscheinlich etwas verloren sein werden, wenn sie sich nur an die rar gesähten Infotexte halten.

Nun zu der vermeintlichen Zielgruppe: Der Wunsch dieser Ausstellung wird es wohl sein der allgemeinen Bevölkerung näher zu bringen, dass die Sparte Anime/Manga, die so nervige Dinge wie Sailor Moon oder Pokémon hervorgebracht hat, in Japan einen riesigen Teil der Kultur bildet und in weiten Teilen der Welt als Kunst gilt. Leider gibt es viele Leute, die engstirnig genug sind, sich nicht darauf einzulassen. Für sie sind die Animationen und Charakterdesigns häufig abstoßend durch die ungewohnten Bewegungen und auch der Kontakt zu Kinderserien wie obengenannte lassen das Gefühl aufkommen, die ganze Animesparte wäre nur etwas für Kinder.

Oder dass es für Erwachsene nur die Pornos gibt.

Diese festgefahrenen Einstellungen werden durch die Ausstellung durchaus korrigiert - ich bezweifle allerdings, dass jemand, der festgefahrene Einstellungen zu dem Thema hat, freiwillig in diese Ausstellung geht. Weshalb ich sie eher als ein Geschenk für all die Anime- und Mangafans des Bonner Raums betrachten würde.

Ich persönlich fand es faszinierend eine Handbreit von echten Cels, Skizzen, Storyboards oder ähnlichem zu stehen und zu wissen, dass diese Blätter Papier irgendwann eine wunderbare Geschichte erzählen, an der sich so viele Menschen erfreuen. Am meisten beeindruckt haben mich die wunderschönen Hintergründe der Ghibli-Produktionen und die Cels der Animeserie "X"... einer meiner absoluten Lieblinge. Ein unglaubliches Gefühl so nah dran zu sein.

Ich wünschte die Leute, die Anime als hässlich, künstlerisch wertlos, plump, flach, für Kinder etc. betrachten würden sich diese Ausstellung ansehen - und mal darüber reflektieren wie viel sinnlosen, westlichen Mist sie konsumieren und sich anmaßen zu sagen eine Ahnung von Kunst zu haben.

Follower